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Landkreis leitet Stilllegung der Ostertalbahn ein

  Erstellt von Philipp Schepper |   |   Startseite

Der Arbeitskreis fordert den sofortigen Stopp des beschlossenen Stilllegungsprozesses durch den Landkreis St. Wendel. (aktualisiert)

Der Museumszug fährt über die Brücke in Haupersweiler. Nur wie lange noch?

Der Kreistag des Landkreises St. Wendel hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2026 beschlossen, den Pachtvertrag der Ostertalbahn mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 zu kündigen sowie zum nächstmöglichen Zeitpunkt das Stilllegungsverfahren der Bahnstrecke einzuleiten!

Ergänzt am 23. Juni 2026

Nachfolgend der offenen Brief des Arbeitskreises vom 18. Juni 2026 an den Landkreis in dem der sofortige Stopp der Pläne gefordert wird.

 

Sehr geehrter Herr Landrat Recktenwald,
sehr geehrte Mitglieder des Kreistags St. Wendel,
liebe Freunde der Ostertalbahn,

 

mit größtem Entsetzen haben wir von der Beschlussvorlage zur Kreistagssitzung am 22. Juni 2026 betreffend die Ostertalbahn erfahren. Nach über 25 Jahren, in denen der St. Wendeler Landkreis die Ostertalbahn als Eisenbahnstrecke des öffentlichen Verkehrs unterhalten hat, will der Landkreis nun völlig überhastet in ein Stilllegungsverfahren der Strecke einsteigen.
Als Arbeitskreis Ostertalbahn (AkO) e.V. fordern wir einen sofortigen Stopp der geplanten Stilllegung der Ostertalbahn und rufen zum Einstieg in einen ergebnisoffenen Diskurs auf, der alle betroffenen Belange angemessen berücksichtigt.

Nachdem die Deutsche Bahn die Ostertalbahn 1999 stilllegen wollte, gelang es dem damals neugegründeten Arbeitskreis Ostertalbahn (AkO) e.V. gemeinsam mit dem Landkreis St. Wendel die Strecke zu erhalten. Dieser wurde zum 1. Januar 2000 der neue Betreiber der Ostertalbahn und die ehrenamtlichen Kräfte des AkO unterstützen von der ersten Stunde an beim Betrieb der Bahn und bei der Instandhaltung der Strecke. Nach der Einstellung des regelmäßigen Güterverkehrs auf der Strecke, gelang es dem Landkreis gemeinsam mit dem AkO ab dem 1. Mai 2002 einen eigenen touristischen Museumszugbetrieb auf der Strecke zu etablieren. Dieses Angebot wurde stetig ausgebaut und hat sich heute zu einem festen Bestandteil des Tourismus im Ostertal und nordöstlichen Saarland entwickelt. Das Ignorieren der steigenden Fahrgastzahlen und der Vielzahl an Veranstaltungen,schmäht die unzähligen Aktivitäten des Vereins und verhöhnt das jahrzehntelange Engagement der Mitglieder.

In den letzten 26 Jahren hat der Landkreis als Infrastrukturbetreiber regelmäßig, zuverlässig und ohne besondere Diskussionen in den Erhalt der Strecke investiert. Die ehrenamtlichen Mitglieder des AkO haben dabei stets nach besten Möglichkeiten unterstützt und dem Kreis damit auch Unsummen an Kosten eingespart. Nachdem auch Herr Landrat Recktenwald noch bei der Saisoneröffnung 2024 öffentlich für die Ostertalbahn geworben hat (vgl. aktueller Bericht des SR vom 2. April 2024) scheinen diese Worte nun vergessen. Selbst in der Kreistagssitzung am 30. März 2026 war noch die Rede von einem ergebnisoffenen Prozess, bei dem auch ein Weiterbetrieb der Ostertalbahn hätte geprüft werden sollen. Ein entsprechender Austausch mit dem AkO hat hierzu jedoch nicht stattgefunden und auch in der aktuellen Vorlage ist davon keine Rede mehr. Vielmehr offenbart sich, dass das Gutachten der beauftragten Anwaltskanzlei alleinig dem Zweck diente die Ostertalbahn loszuwerden bzw. die Fläche des Bahnhofs Schwarzerden für KNDS bereitszustellen.

Bei einem konstruktiven gemeinsamen Austausch am 22. Mai 2026 von Vertretern der KNDS Deutschland Maintenance, der Strukturholding Saar (SHS) und dem Landkreis St. Wendel mit Vertretern des AkO wurde klar und eindeutig von Seiten der KNDS mitgeteilt, dass eine Umnutzung des Bahnhofsgeländes für Zwecke der KNDS derzeit nicht aktiv weiterverfolgt wird. Insbesondere aufgrund zeitlicher Restriktionen plane man mit alternativen saarländischen Flächen, die ebenfalls in direkter Umgebung des bestehenden Werkes liegen.
Dass der Landkreis nun weiterhin eine Umnutzung des Bahnhofsgeländes für Zwecke der KNDS als Begründung für sein Handeln vorschiebt, ist mehr als unverständlich und irritierend. Es scheint, als ob man nun um jeden Preis und ungeachtet jeglicher Alternativen die zwischenzeitlich überholte Planung fortsetzen und unterstützen will.

Zudem ist es, auch wenn KNDS derzeit auf eine Nutzung der Bahnstrecke für den Güterverkehr verzichtet, aus unserer Sicht angesichts der angestrebten Mobilitätswende und der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene der grundfalsche Ansatz, leistungsfähige Bahnstrecken stillzulegen, während andere Schienenwege (im Saarland) reaktiviert oder für den Personenverkehr ertüchtigt werden. Mit dem Vorantreiben der jetzigen Planungen verbaut der Kreistag sehenden Auges jegliche Chancen, wodurch in Zukunft wieder ein planmäßiger Bahnbetrieb auf der Ostertalbahn möglich werden könnte.
Dass es sich daher bei den Ausgaben für die Instandhaltung um langfristige Investitionen in den Erhalt der Bahnstrecke und die Zukunft Mobilität handelt, scheint niemand zu sehen. Vielmehr sieht man nur noch untragbare finanzielle Risiken. Auch uns als Arbeitskreis ist bewusst, dass die Brücken der Ostertalbahn rund 90 Jahre alt sind. Aber wir kritisieren scharf, dass nun mit Vermutungen über eventuell anstehende Sanierungen versucht wird, sich schnellstmöglich von der Ostertalbahn zu entledigen. Nirgends ist jetzt auch nur ansatzweise der Wille erkennbar, den Betrieb der Bahn noch mindestens solange aufrechtzuerhalten bis wenigstens klar ist, welche Maßnahmen konkret erforderlich sind. Dass bisher keine konkreten Zahlen vorliegen, zeigt sich auch am Fehlen dieser in der Beschlussvorlage.

Aber noch viel erschreckender ist, dass die Existenz des Museumszuges in der aktuellen Sitzungsvorlage noch nicht einmal erwähnt wird, geschweige denn die katastrophalen Folgen des Beschlusses für den Museumszugbetrieb oder den AkO erläutert werden. Dadurch wird hier im Gegensatz zu anderen touristischen Angeboten, wie dem Bostalsee zum Beispiel, der Mehrwert für den Tourismus sowie als kulturelles Angebot gänzlich ignoriert und missachtet.
Aus unserer Sicht ist das jetzige Verhalten des Landkreises ein offener Schlag ins Gesicht der unzähligen Ehrenamtlichen, die sich all die Jahre mit unvergleichlicher Hingabe und Leidenschaft für die Ostertalbahn und ihren Erhalt eingesetzt haben. Und das von einem Landkreis, der an anderer Stelle hauptamtlich das Ehrenamt fördert und unterstützt.

Nachdem 2025 eine Reaktivierung der Museumsbahn zwischen Merzig und Losheim für den regulären Personenverkehr von den dortigen kommunalen Gremien abgelehnt wurde, entscheidet sich der Landkreis St. Wendel nun für eine bewusste Demontage und Zerstörung der bestehenden und betriebsbereiten Infrastruktur im Ostertal. An keiner Stelle erachtet man es für nötig zu erwähnen, dass mit der jetzigen Entscheidung das Ende der einzigen betriebsbereiten Museumsbahn im Saarland nicht nur billigend hingenommen sondern aktiv vorangetrieben wird. Als letzte im Saarland in Betrieb genommene Bahnstrecke, ist die Ostertalbahn ein Stück Zeitgeschichte und auch ein Zeugnis der saarländischen Industriekultur. Eine Tatsache, welche anscheinend auch der saarländischen Landesregierung keinerlei Würdigung und Unterstützung wert ist.
Während sich Landkreis und AkO seit über 25 Jahren als Partner aufeinander verlassen konnten, wird der AkO nun nicht mehr über die geplanten Entscheidungen und Vorhaben informiert, geschweige denn auf Augenhöhe mit in die Diskussion einbezogen.
Aus Sicht des AkO kommt dieses Verhalten einer einseitigen Aufkündigung der jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit durch den Landkreis St. Wendel gleich. Eine Entwicklung die wir vor wenigen Jahren noch als unmöglich erachtet hätten.

 

Als Arbeitskreis Ostertalbahn, der sich seit 1999 gemeinsam mit dem Landkreis St. Wendel für den Erhalt der Ostertalbahn einsetzt, fühlen wir uns von den vorgeschlagenen Beschlüssen verraten und eine einst fruchtvolle Partnerschaft wird einseitig durch den Kreis gebrochen und aktiv zerstört. Gemäß unserem satzungsgemäßen Auftrag ist es mehr denn je unsere Pflicht, eine sofortige Einstellung der bisherigen Pläne zu fordern. Insbesondere muss der Landkreis umgehend von seiner Entscheidung absehen, das Ende der Ostertalbahn weiterzuverfolgen, in welchem Zusammenhang der Pachtvertrag gekündigt und ein Stilllegungsverfahren eingeleitet werden soll. Es ist eine äußerst kurzsichtige Entscheidung, bestehende Infrastruktur derart unbegründet zu vernichten, ohne auch nur mögliche Alternativen ernsthaft in Erwägung zu ziehen und eine offene Diskussion zu ermöglichen.

Niemand kann derzeit sagen, wie sich die Verkehrsströme in Zukunft entwickeln und ob nicht in wenigen Jahren die Firmen im entstehenden Gewerbegebiet froh über einen funktionierenden Bahnanschluss wären und die Güter darüber erhalten oder versenden würden. Nur eines ist klar: Wenn die geplanten Beschlüsse und Vorhaben des Landkreises St. Wendel weiterhin vorangetrieben und in die Realität umgesetzt werden, dann ist das Schicksal der Ostertalbahn endgültig besiegelt. Ein Zurück wird es danach nicht mehr geben.

Nach fast 90 Jahren geht dann die Geschichte der Eisenbahn im Ostertal auf eine unwürdige Art und Weise endgültig zu Ende. Eine Geschichte, die eigentlich noch etliche Jahre hätte weitererzählt werden können und müssen.

 

Für den gesamten Vorstand des AkO

Dr. Philipp Schepper
1. Vorsitzender

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