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Ostertalbahn jetzt für Güterverkehr nutzen

  Erstellt von Philipp Schepper |   |   Startseite

Statt die Ostertalbahn anlässlich der KNDS-Erweiterung in Schwarzerden zu gefährden, fordert der AkO eine Nutzung der Strecke für den Güterverkehr.

Eine Karte des Bahnhofs Schwarzerden sowie des angrenzenden Industriegebiet.
Für die westliche und östliche Erweiterungsfläche soll der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden.
Die rot umrandete Fläche umfasst den Bahnhof Schwarzerden sowie die unmittelbar für die Betriebsabwicklung erforderlichen Flächen. Nicht gesondert markiert sind die öffentlichen Zuwegungen zum Bahnhof und den Bahnanlagen.

Quelle: geoportal.saarland.de, abgerufen am 20. Dezember 2025, eigene Bearbeitung.

Die KNDS Deutschland Maintenance mit Sitz in der Gemeinde Freisen im Ortsteil Schwarzerden baut zukünftig eine größere Anzahl an Panzern vom Typ Patria 6x6 für die Bundeswehr. Eine erste Charge über ca. 300 Fahrzeuge wurde am 17. Dezember 2025 beauftragt. Durch weitere Lieferungen könnte dieser Auftrag auf bis zu 3500 Fahrzeuge anwachsen. Diesbezüglich hat der Gemeinderat Freisen am 4. September sowie 18. Dezember 2025 beschlossen, den Flächennutzungsplan im Bereich des bestehenden Industriegeländes anzupassen und passende Bebauungspläne aufzustellen. Die Planung sowie Erschließung und Bereitstellung der Flächen soll dabei durch die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (gwSaar), eine Tochtergesellschaft der SHS Strukturholding Saar, erfolgen.

Neben derzeit landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde dabei auch die gesamte angrenzende Fläche des Bahnhofs Schwarzerden in die Änderungen miteinbezogen (siehe Anlage). Der dort bisher vorhandene Vorrang für Eisenbahnzwecke, dementsprechend die Flächen auch tatsächlich genutzt werden, soll somit zukünftig entfallen. Stattdessen sollen die Flächen zukünftig einem gewerblich industriellen Zweck dienen. Aufgrund von weiteren vorliegenden Informationen ist von einer schnellstmöglichen Umnutzung der Bahnfläche zu einer Industrie- und Gewerbefläche durch die Gemeinde Freisen, die gwSaar sowie ggf. die KNDS als potentieller Nutzer auszugehen.

Als Arbeitskreis Ostertalbahn kritisieren wir dieses Vorgehen daher scharf und fordern eine sofortige Anpassung der Planungen. Die Flächen des Bahnhofs Schwarzerden sowie die dazugehörigen Zuwegungen und für die Betriebsabwicklung erforderlichen Flächen müssen umgehend von den geplanten Änderungen ausgenommen werden. Die bisherige Zweckbestimmung für Eisenbahnzwecke muss auch zukünftig erhalten bleiben und bei der Bauleitplanung entsprechend berücksichtigt werden. Andernfalls ist ein Ende des Bahnhofs Schwarzerden sowie der gesamten Ostertalbahn zu befürchten.
Zudem kritisieren wir als Arbeitskreis die intransparente Vorgehensweise und Kommunikation der an der Planung Beteiligten, auch gegenüber unserem Verein als maßgeblich Betroffener. Denn bisher wurde von deren Seite an keiner Stelle die mögliche Rolle der Bahnstrecke als Transportmittel oder die Auswirkungen der Erweiterungen auf die Ostertalbahn erwähnt.

Transporte per Schiene. Aufgrund der geplanten Expansion der KNDS fordern wir dringend, die bestehende Schieneninfrastruktur für den Transport von Fahrzeugen und Material zu nutzen. Ebenso muss nun der ehemals vorhandene Gleisanschluss mindestens in seiner ursprünglichen Größe wiederhergestellt werden. Bis zur vollständigen Wiederherstellung des Anschlusses ist jederzeit eine Verladung im Bahnhof Schwarzerden möglich.
Auf keinen Fall darf die Erweiterung des Industriegebietes dazu führen, dass die bestehende Schieneninfrastruktur stillgelegt wird und für Bau- und Industrieflächen umgenutzt wird.

Durch den beschlossenen Bau der Panzer ergeben sich an mehreren Stellen sinnvolle Möglichkeiten für einen Bahntransport. Sofern eine Komplettfertigung vor Ort geplant ist, müssen große Mengen an Stahl und einzelnen Bauteilen (z.B. Räder, Motoren) angeliefert werden. Hierbei ist auch eine Anlieferung zu eventuell ansiedelnden Zulieferfirmen einzuplanen. Falls die Fahrgestelle/Rahmen andernorts produziert werden oder sogar nur die Endfertigung in Schwarzerden stattfinden soll, müssen noch größere und schwerere Bauteile angeliefert werden. Aufgrund des Gewichtes und der Menge der zu produzierenden Fahrzeuge ist daher in allen Fällen ein Straßentransport aus unserer Sicht nicht wirtschaftlich und stattdessen ein Schienentransport zu bevorzugen. Unabhängig davon sollte die bestehende Bahnverbindung endlich wieder für den Transport der Fahrzeuge von und zur Wartung genutzt werden, anstatt diese einzeln per Tieflader zu transportieren.


Auch wir als Arbeitskreis Ostertalbahn sehen in der Erweiterung der KNDS eine riesige und einmalige Chance für die Gemeinde Freisen und das Saarland insgesamt. Diese Investition muss gleichzeitig aber die vorhandene Infrastruktur stärken, sodass attraktive Bedingungen für den Wirtschaftsstandort geschaffen werden und auch langfristig erhalten bleiben. Ein Erhalt der Bahnstrecke ist daher zwingend erforderlich.

 

 

 

 


Zum Hintergrund

Seit über 25 Jahren kümmert sich der Arbeitskreis gemeinsam mit dem Landkreis St. Wendel um den Betrieb und die Instandhaltung der Ostertalbahn zwischen Ottweiler und Schwarzerden. Seit 2002 findet zudem ein touristischer Museumszugbetrieb auf der Strecke statt. Durch die gemeinsamen Bestrebungen war es 1999 gelungen, die Bahnstrecke zum 1. Januar 2000 zu übernehmen und damit vor der Stilllegung zu bewahren. Seitdem wird die Strecke ununterbrochen in einem betriebsfähigen Zustand vorgehalten und durch den Landkreis St. Wendel als öffentliche, nicht-bundeseigene Eisenbahnstrecke betrieben. Die Strecke darf somit von allen in Deutschland zugelassenen Eisenbahnunternehmen befahren und genutzt werden, sowohl für touristische Zwecke als auch im regulären Personenverkehr oder im Güterverkehr. Aufgrund der Zulassung mit der höchsten in Deutschland möglichen Streckenklasse D4 sind auch schwerste Güterzüge und insbesondere Militärtransporte auf der Strecke möglich. Erlaubt sind somit Züge mit 350 m Länge und einer Last von 22,5t/Achse und 8t/m.

Das Werk der KNDS Deutschland Maintenance (früher IWS bzw. DSL) grenzt unmittelbar an den Bahnhof Schwarzerden an und verfügte bis 2018 über einen eigenen Gleisanschluss mit drei, ursprünglich sogar vier Gleisen (siehe Anlage). Über die Schiene wurden bis 2001 regelmäßig und bis 2014 noch unregelmäßig Militärtransporte in das Werk in Schwarzerden durchgeführt. Die Be- und Entladung fand dabei über zwei werkseigene Laderampen (Kopf- und Seitenrampe) statt. Zusätzlich stand dem Werk noch eine Ladestraße zur Verfügung. Nach der Sperrung des Anschlusses 2018 wurde er 2021 vom Betreiber abgebaut.
Unabhängig davon steht im Bahnhof Schwarzerden weiterhin eine öffentliche Seitenrampe mit ca. 90 m Nutzlänge zur Verfügung. Diese befindet sich in der Betriebsführung des Landkreises St. Wendel und ist ebenfalls für den Umschlag von schweren Gütern und somit auch Rüstungsgütern ausgelegt.

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